Veröffentlicht am: Sa, 10 Jan, 2015
Montags in Dresden

Pegida- Randerscheinung oder Gefahr?

 

Seit fast drei Monaten treffen sich in Dresden Montag für Montag tausende Menschen um gegen ein „Islamisierung Deutschlands“ zu demonstrieren. Am ersten Montag 2015 waren es sogar mehr Demonstranten als jemals zuvor, 18.000 Menschen.

 

Grund genug für die Redaktion von PlanetInsight, das Phänomen zu hinterfragen. „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ bedeutet die Abkürzung. Von Politikern mit der AfD in Verbindung gebracht, von vielen als „Rechts motivierte Demonstranten“ abgetan. Doch was steckt wirklich hinter Pegida und sind die Ängste der Anhänger wirklich begründet? Wir wollen der Sache auf den Grund gehen, denn hier könnte sich etwas entwickeln, was momentan noch unter Kontrolle zu sein scheint, aber nach den Anschlägen von Paris auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ am Mittwoch und die gestrigen Geiselnahmen durch die Verursacher und Täter des Anschlags dürfte Pegida sich bestätigt fühlen und weitere Zuwächse bekommen.

 
Patrioten lieben ihr Land. Das alleine ist ja eigentlich nichts schlimmes und man kann den Bürgern in Deutschland nicht verübeln ihr Land zu lieben. Pegida- Anhänger sehen sich aber als europäische Patrioten, bedeutet, eigentlich sucht die Bewegung eine Zustimmung in ganz Europa und nicht nur in Deutschland. Hier lässt man sich also die Möglichkeit offen sich zu vergrößern, was ja auch noch legitim ist. Interessant wird es bei der Betrachtung des zweiten Teils der Kürzel aus dem Namen Pegida. „gegen eine Islamisierung des Abendlandes“ und hier beginnt es auch gefährlich zu werden, warum eigentlich? Nun, wie schon in der Vergangenheit die Geschichte gezeigt hat, kann es verhängnisvoll sein eine Glaubensgruppe (in diesem Fall den Islam) und alle damit verbundenen Menschen über einen Kamm zu scheren.

Pegida auf dem Vormarsch

Pegida auf dem Vormarsch

 

Schon im Mittelalter gab es Kreuzzüge im Kampf um die Stadt Jerusalem. Christen wurden dazu aufgerufen die Moslems, damals die Einwohner der Geburtsstadt Jesus Christus zu vertreiben und die „Heilige Stadt“ zurück in den Besitz des Vatikans/ Roms zu bringen. Die Kreuzzüge scheiterten allesamt aus verschiedenen Gründen. Doch Pegida will mehr! Null Toleranz gegen kriminelle Ausländer. Das schüren von Vorurteilen spielt hier ebenso eine wichtige Rolle. Meinungen wie: alle Ausländer stehlen, betrügen, sind kriminell, sollten härter bestraft werden, sind gefährlich. Die Tatsache ist, es gibt Gesetze in Deutschland. Kein Mensch darf aufgrund seiner Herkunft und seines Glaubens diskriminiert werden, alle Menschen sind gleich zu behandeln.

 

Das sind die Grundpfeiler unserer Demokratie und genau an diesen Pfeilern versucht Pegida zu rütteln und genau das ist gefährlich. So gibt es ebenso deutsche Kriminelle wie auch ausländische Kriminelle (und nicht alle ausländischen kriminellen sind Moslems!) und es gibt genauso rechtschaffende Moslems und Islamisten in ganz Europa, wie es auch rechtschaffende Europäer gibt. Pegida versucht also mit gefährlichen Ideologien und Weltanschauungen Ängste zu schüren, wie wir das aus der Geschichte nur zu gut kennen. Im dritten Reich wurden aus diesem Grund die Juden verfolgt, interniert und getötet. Wegen Vorurteilen. Die deutschsprachige,“arische Herrenrasse“ war mehr wert als slowenische oder sonstige Völker.
Aus diesem Grund wird Pegida zu Recht als verfassungsfeindlich und antidemokratisch eingestuft. Ob die Ideologien letztendlich rechtsradikal sind, darüber lässt sich streiten.

 

„In der Ruhe liegt die Kraft“ ein Kommentar von Oliver Müller

Elf tote Menschen in Frankreich und ganz Europa schreit auf und verbündet sich gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Elf tote Menschen! In vielen Ländern der Erde, Mali, Nigeria, Syrien, Gaza, sterben weit mehr Menschen in einer Stunde als in Frankreich an zwei Tagen, doch warum füllen diese berichte nicht die Medien, warum sind Meldungen aus solchen Gebieten nur Randnotizen von denen der Leser kaum oder gar keine Kenntnis nimmt, wenn er jeden Morgen seine Tageszeitung überfliegt. Sind wir Menschen schon so abgestumpft anlässlich der täglichen Horrormeldungen der Medien aus den ganzen Kriegsgebieten der Welt?

 

In Wahrheit steckt wohl etwas anderes dahinter. Menschen sterben in Frankreich, dem Nachbarland von Deutschland, Bewegungen wie Pegida rütteln wach. Elf tote Menschen bekommen Gesichter. Der Terror findet nicht mehr irgendwo auf der Welt statt sondern in der Nachbarschaft des eigenen Landes. Der Weg ist nicht mehr weit und er ist in unseren Wohnzimmern. Wen interessiert es wenn in Nigeria Tausende von Terroristen vergewaltigt, gefoltert, getötet werden. Nigeria ist weit weg. Irak ebenso. Nordkorea, mein Gott, lass mich bloß mit den Problemen der anderen in Ruhe! Es ist vergleichbar mit dem Dieb, der im Nachbardorf eingebrochen ist und dort alle Wertgegenstände entwendet hat. Es ist nicht mir selbst widerfahren, meine Haut hat keinen Schaden bekommen, mich hat es nicht erwischt.

 

Doch wehe es erwischt einen selbst, dann ist es ein Drama und man hat als Außenstehender das Gefühl, als hätte der Betroffene noch nie gehört, dass es Diebe eben gibt. Genau das ist in Frankreich passiert. Die Ankündigung der IS ganz Europa und die USA mit Terror zu überziehen ist nicht neu, aber niemals zuvor war er so real wie heute und es ist zu befürchten, dass er näher kommt. Trotzdem, bei allen Straftaten und Anschlägen darf man nicht vergessen, Terroristen, egal ob islamistisch oder nicht, sind eine Minderheit, jetzt alle Moslems über einen Kamm zu scheren ist übertrieben und nicht angebracht. Wie kann man so einem Terror begegnen? Ruhe bewahren, auf ausländische Mitbürger zugehen. Mut zusprechen, Solidarität zeigen, Gespräche suchen, wenn man verunsichert ist und sagen, dass man sie als Mitmenschen nicht verurteilt nur weil ein paar Religionsfanatiker (deren Taten ich nicht herunterspielen möchte!) denken, sie müssen die Welt mit Terror überziehen.

 

Die Politik hingegen hat die Aufgabe sich Pegida anzunehmen, sich die Sorgen der Menschen anzuhören. Kommentare und unqualifizierten Beiträgen wie sie immer wieder und im besonderen von der CSU bezüglich Asylrechtsverschärfung und zuletzt mit der Bemerkung: In Deutschland lebende Ausländer sollen nach dem Willen der CSU Deutsch sprechen – und zwar auch in der Familie, schüren Fremdenfeindlichkeit und tragen nicht zur Beruhigung der Lage bei und sind deshalb auch auf das Schärfste zu verurteilen.

 

Bilder: Bing.com

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